DA!s wollen wir

  • Forschen statt Glauben
  • Handeln statt Beten
  • Aufklären statt Verschleiern
  • Nachdenken statt Nachbeten
  • Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung
  • Ethik statt Moral
  • Freiheit statt Angst
  • Fortschritt statt Rückschritt
  • Heidenspaß statt Höllenqual
  • Die Kündigung aller Konkordate und Staatskirchenverträge
  • Die Streichung aller Gottesbezüge aus Gesetzen und
  • Verfassungen
  • Die konsequente Trennung von Staat und Religion


Die Kirchen müssen wieder zu dem werden, was sie auch sind: Vereine wie jeder andere, deren Inhalte ausschließlich von denen finanziert werden, denen sie auch etwas bedeuten.

Die Giordano Bruno Stiftung vertritt die Position des evolutionären Humanismus, die Mitte des letzten Jahrhunderts vom bedeutenden Evolutionsbiologen und ersten Generaldirektor der UNESCO, Julian Huxley, angedacht wurde. Im Auftrag der Stiftung wurde der evolutionär-humanistische Ideenkomplex u.a. im „Manifest des evolutionären Humanismus“, verfasst vom GBS-Vorstandssprecher Michael Schmidt-Salomon, wieder aufgegriffen und auf den aktuellen wissenschaftlichen Stand gebracht.

Wie jeder konsequente Humanismus geht auch der evolutionäre Humanismus von der Notwendigkeit und Möglichkeit der Verbesserung unserer Lebensverhältnisse aus. Evolutionäre Humanisten treten entschieden für die Werte der Aufklärung, für kritisches, rationales Denken, Freiheit und soziale Gerechtigkeit ein. Allerdings begreifen sie den Menschen nicht mehr als „Krone der Schöpfung“, sondern als unbeabsichtigtes Produkt der natürlichen Evolution, die sich auf unserem Weltallstaubkorn zugetragen hat.

Als Kind der Evolution ist der Homo sapiens zwar ein spezielles Tier (mit globaler und potenziell kosmischer Wirkmacht – wohl oder übel?), aber doch auch nur ein Tier unter Tieren, was sich in einem verantwortungsbewussteren Umgang auch mit den nicht-menschlichen unter ihnen niederschlagen sollte.

Die normative bzw. Wert-Grundlage des evolutionären Humanismus bildet das ethische Prinzip der gleichen Berücksichtigung gleichrangiger Interessen. Daher sind diskriminierende Ideologien wie Rassismus, Sexismus, Ethnozentrismus oder Speziesismus sowie sozialdarwinistische Konzepte, die historisch mitunter auch von Evolutionstheoretikern vertreten wurden (irregeleitet wohl u.a. vom weitverbreiteten naturalistischen Fehschluss bzw. Natur-Bias), mit dem evolutionären Humanismus unvereinbar.

Der evolutionär denkende Mensch kann nicht mehr Schutz vor der Einsamkeit suchen, indem er sich in die Arme einer zum Gott erhobenen – von ihm selbst geschaffenen – Vatergestalt flüchtet; nichts entbindet ihn von der mühevollen Aufgabe, sich den Problemen der Gegenwart zu stellen. Wir müssen aufgeben, uns in intellektueller wie ethischer Hinsicht wie der Vogel Strauss zu verhalten, wir dürfen unseren Kopf nicht mehr in gewollter Blindheit in den Sand stecken.

– Julian Huxley

Etwas präziser lassen sich die Grundbausteine des evolutionären Humanismus, wie ihn die Giordano Bruno Stiftung vertritt, wie folgt bestimmen und skizzieren:

1. Historisch geleistete Vorarbeit: Anknüpfung an den Humanismus der Aufklärung

  • Fähigkeit der menschlichen Vernunft, die Welt graduell besser zu verstehen, d.h. ein zutreffenderes Weltbild zu konstruieren
  • Wissenschaft als mächtiges Wahrheitstool rezipieren und optimieren
  • Fähigkeit der Vernunft, ein stimmigeres Wertesystem zu entwickeln und die Welt entsprechend zu verbessern, im Sinne unserer realen Interessen
  • Nicht-Diskriminierung, Freiheit, soziale Gerechtigkeit und Demokratie als Werte rezipieren und weiterdenken

2. Ethik: Evolutionäre Erweiterung des Humanismus nach “hinten” und “vorne”

  • Nach “hinten”: Die nicht-menschlichen Tiere sind uns in relevanter Hinsicht bedeutend ähnlicher, als traditionell angenommen wurde, und es gibt kaum vernünftig vertretbare Gründe, ihre Interessen ethisch nicht ebenso zu berücksichtigen.
  • Nach “vorne”: Erstmals hat eine Spezies die Möglichkeit, die brutale natürliche, darwinistische Evolution zu stoppen und durch eine künstliche, intelligent-mitfühlende zu ersetzen. Den evolutionären Status quo intrinsisch einfrieren zu wollen, würde dem Urteil entsprechen, die Evolution habe zufällig zu einem Optimum für uns heute geführt (nicht nur für die Gene in einer Steinzeitumgebung). Diese Annahme ist aber unbegründet, und der evolutionäre Status quo ist in der Tat auch in vielerlei Hinsicht suboptimal, ja katastrophal. Insbesondere mit dem bio- und computertechnologischen Fortschritt gehen jedoch auch grosse Gefahren einher. Unabhängig von der ethischen Risikoanalyse (Status quo vs. verändernde Intervention) scheint es nicht unwahrscheinlich, dass unsere Zivilisation dereinst postmenschliche und/oder digitale Gehirne bzw. Bewusstseinsformen erzeugen wird. Es ist entscheidend, dass wir uns bereits heute darüber klar werden, dass die Interessen auch derjenigen Generationen und Wesen voll zählen, die evolutionär noch vor uns liegen mögen.

3. Rationalität: “Evolutionäres” Updating des Humanismus gemäss aktuellem Stand

  • Klarere Bestimmung dessen, was Vernunft bzw. Rationalität bedeutet und worin die Implikationen für die wissenschaftliche Arbeit, d.h. für die Konstruktion eines möglichst zutreffenden Weltbildes bestehen
  • Klarere Bestimmung dessen, was eine rationale Ethik zu leisten vermag und welche Ziele sie für unsere Entscheidungspraxis nahelegt
  • Kognitions- und Moralpsychologie, um zu erkennen, inwiefern unser kognitiver Apparat bzw. unser Gehirn systematisch von rationalen und ethischen Desideraten abweicht – damit wir diese Denk- und Entscheidungsfehler (Biases) vermeiden, d.h. unsere Ziele besser erreichen und die Zukunft besser gestalten können. Die evolutionäre Psychologie erklärt dabei mit, weshalb Biases existieren: Unsere Gehirne wurden nicht dafür optimiert, sich über ihre eigenen Ziele klar zu werden und diese zu erreichen, sondern dafür, Gene in einem Steinzeitumfeld zu verbreiten.
  • Fokus auf unsere Entscheidungen: Sie sind, was letztlich interessiert (und weshalb wir Rationalität, Wissenschaft und Ethik brauchen), insofern von ihnen abhängt, wie die Welt verläuft bzw. mit welcher Wahrscheinlichkeit wir unsere Ziele erreichen. Und worauf, wenn nicht auf die Erreichung unserer Ziele, könnte es sonst ankommen?

Zusammengefasst interessiert sich der evolutionäre Humanismus also für die (möglichst zutreffende Beantwortung der) Fragen, die letztlich zu zählen scheinen: Woher kommen wir; wer sind wir (bzw. unsere Gehirne) heute; wie sieht die Welt aus, in der wir leben, und was ist unsere Situation in ihr; wie fällen wir faktisch Entscheidungen; wie könnte und sollte die Welt aussehen, d.h. wohin wollen und sollen wir gehen; und wie sollten wir Entscheidungen fällen, um den Weltverlauf optimal zu beeinflussen? Die Leitfrage des evolutionären Humanismus könnte demnach lauten:

Woher kommen wir und wohin sollen wir, rational, gehen?

– Text übernommen von der GBS Schweiz, die externen Links führen auch zu deren hervoragender Seite